EuroNight 2.0 

Das Projekt EuroNight 2.0 verfolgt das Ziel, ein Musterlastenheft für zukünftiges Wagenmaterial im europäischen Nachtreisezugverkehr zu entwickeln. Grundlage ist eine umfassende Analyse technischer, betrieblicher, regulatorischer sowie fahrgastorientierter Anforderungen.
Darüber hinaus soll das Projekt konkrete Handlungsempfehlungen geben, wie zukünftige Nachtzugkonzepte den vielfältigen Anforderungen von Fahrgästen gerecht werden können – von Familien und Geschäftsreisenden bis hin zu Personen mit eingeschränkter Mobilität. Besonderes Augenmerk liegt auf Komfort, Schlafqualität und Gepäckunterbringung, aber auch auf betrieblicher Effizienz und europäischer Interoperabilität. Das Musterlastenheft soll somit als praxisnaher Leitfaden für Betreiber, Hersteller und politische Entscheidungsträger dienen.

Auftraggeber: DZSF – Forschungsprojekt „Wagenmaterial für den europäischen Nachtzugverkehr der Zukunft“

Laufzeit: November 2023 – Oktober 2026

Projektpartner: Fachhochschule Joanneum Graz GesmbH; Rodlauer Consulting GesmbH; TU-Wien, Institut für Verkehrswissenschaften

LOI-Partner: netwiss OG; TU Wien, Institute für Verkehrswissenschaften und Mechanik; FH St. Pölten, Department für Bahntechnologie und Mobilität; Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften; Siemens Mobility Austria; Skoda Austria; moodley design; noicon; Rodlauer Consulting; Institut für Schlaf- und Wachforschung; Elisabeth Oberzaucher

Projektbeschreibung: Die Renaissance der Nachtzüge in Europa geht einher mit dem steigenden Bewusstsein für klimafreundliche Mobilität. Gleichzeitig stehen Betreiber vor Herausforderungen wie wirtschaftlichem Betrieb, Komfortanforderungen, Barrierefreiheit sowie regulatorischen Hürden im internationalen Verkehr.
In Europa wächst der Druck, den Flugverkehr durch klimafreundlichere Alternativen zu ersetzen. Nachtzüge bieten hier ein großes Potenzial: Sie ermöglichen komfortables Reisen über mittlere und lange Distanzen, vermeiden Hotelübernachtungen und können eine echte Alternative zum Kurzstreckenflug darstellen. Trotz dieser Chancen sind Nachtzüge jedoch oft wirtschaftlich schwer zu betreiben. Unterschiedliche Standards und Zulassungsvorschriften in Europa erschweren den grenzüberschreitenden Einsatz zusätzlich. Auch Komfort, Barrierefreiheit und moderne Servicekonzepte sind noch nicht überall ausreichend gewährleistet.

Nachstehende Themenbereich sind umfangreicher Bestandteil des Projektes:

1. Bestandsaufnahme des europäischen Wagenparks inkl. Benchmarks zu internationalen Fahrzeugen, anderen Verkehrsträgern und kompakten Wohnsystemen

2. Regelwerksanalyse zu internationalen und nationalen Normen für Bau und Betrieb von Nachtzügen inkl. Anforderungen an Barrierefreiheit

3. Historische Einordnung von Schlaf- und Liegewagen seit 1949 sowie deren Servicekonzepte

4. Schlafforschung im Zug: Identifikation von schlaffördernden und -störenden Faktoren, mobile Testfahrten mit Schlaflabor

5. Fahrgastanforderungen: Erhebung unterschiedlicher Bedürfnisse (Familien, Geschäftsreisende, mobilitätseingeschränkte Personen, Gepäckanforderungen),

6. Fahrzeugkonzepte: Entwicklung neuer Innenraum- und Ausstattungskonzepte inkl. 3D-Visualisierungen und Mock-ups,

7. Hochgeschwindigkeits-Nachtzüge: Analyse der Einsatzmöglichkeiten, Relationen, Kosten und Komfortfragen,

8. Musterlastenheft: Zusammenführung aller Ergebnisse in einem praxisnahen Lastenheft für künftige Sitz-, Liege- und Schlafwagen.

Ergebnisse des Projektes sind:

– Ein umfassendes Musterlastenheft für neue und redesignte Nachtzugfahrzeuge

– Handlungsempfehlungen zu Technik, Ausstattung, Betrieb und Service

– Konzepte zur Förderung von Schlafqualität, Komfort und Barrierefreiheit

– Vorschläge für geeignete Relationen und Einsatzszenarien im europäischen Nachtzugnetz

Ansprechpartner: DI Dr. Bernhard Rüger